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Während Vardø (wardö) der Barentssee ausgesetzt ist, und dabei hin und wieder die volle Breitseite dieser abbekommen vermag, liegt Vadsø (wadsö) geschützt im Inneren der Bucht vom weissen Meer. Von Vadsø aus fahren wir etwas südwärts in den Fjord von Kirkenes.
Der Aufenthalt in den frühen Morgenstunden wie in Vardø dauert, wie in den meisten der insgesamt 34 angesteuerten Häfen, nicht mehr als 30 – 45 Minuten. Während die einen noch unter der warmen Decke liegen oder genüsslich beim Frühstück sitzen, stehen andere an der Reeling um dabei das Ablegemanöver zu beobachten.
Unendlich erscheint die hügelige weisse Landschaft, selbst beim Betrachten derer fühlt man die Kälte, welche sie von sich zu geben scheint. Glaubt man Eskild, so verspüren wir heute noch bescheidene -15°. Noch Letzte Woche sollen Temperaturen bis -35° gemessen sein worden.
Schon bald ist Kirkenes erreicht.
Kurz nach 10:00 Uhr erreichen wir nach der Fahrt durch den Varangerfjord Kirkenes. Bei –15° entdecken wir in der Fahrrinne liegende hauchdünne Eisplatten. Wenn wir schon keine Nordlichter zu sehen bekommen, dann wenigstens „Eisberge“. Vorne am Bug pfeift der Wind um die Ohren als würde er einem ein Willkommen zuflüstern. Daneben die dampfende See vom weissen Meer.
Mit Kirkenes erreichen wir den Wendepunkt nicht nur unserer Reise in den Norden, auch die Hurtigrutenschiffe werden von Kirkenes aus wieder gen Süden fahren. Kirkenes im Schutze des Fjordes gelegen, kaum 10 Kilometer westlich von der russischen Grenze entfernt, ist eine erstaunlich lebhafte Stadt. Neben dem norwegischen und den verschiedensten Dialekten der Sami, spricht man hier oben auch russisch und philippinisch. Während die Russen mehr dem Fischfang zugeordnet werden, so sind die Phillipinos vor allem im Dienstleistungssektor tätig.
Nein, wir haben keine zusätzliche Besichtigungstour gebucht, weder zur russischen Grenze rüber, noch den Krabbentripp über die Barentssee, schon gar nicht der Besuch im Schneehotel, und fahren dennoch bequemerweise mit dem Bus in die Stadt, mit der Absicht den Rückweg per Pedes zu machen.
Kirkenes als Stadt ist für einen Besucher nicht unbedingt das grosse Erlebnis. Im zweiten Weltkrieg ist Kirkenes, wie viele der norwegischen Orte, welche an der Küste lagen, vollkommen zerstört worden. Seine Sehenswürdigkeiten halten sich, abgesehen unzähliger Kriegsmuseen, in Grenzen. Am ehesten hat man hier die Möglichkeit sich bei einem Einkaufsbummel mit jeder Art von Reiseandenken einzudecken, von Kitsch bis Kunst ist in der Fussgängerzone Stadtmittig alles zu haben.
Draussen vor etwelchen Geschäften laufen Fahrzeuge, ohne dass auch nur der Fahrer im Innern sitzt, geschweige denn davor steht. Bei den zum Teil tiefen Temperaturen heisst es: Motor warm halten. Dass dabei einer vorbei kommt und ein laufendes Auto klaut, scheint in der Umsetzung wenig zu fruchten. Gleich um die Ecke wiederum, werden Fahrzeuge an der Leine gehalten. Nicht aus Angst dass die geklaut werden, sondern sie hängen am Stromkabel. So bleibt der Motor auf einer gewissen Wärme gehalten.
Zurück in Richtung MS Nordnorge noch an ein paar der schwimmenden, rostenden, russischen Fischfabriken vorbei, welche nicht weniger Schnee auf den Decks haben wie die Strasse auf der wir gehen. Die Russen haben hier in Kirkenes vor allem ihren Standplatz vor allem wegen dem beinahe oder mehrheitliche Eisfreien Varangerfjord. Und dies trotz der Lage in der Barentssee. Doch nur ein paar Kilometer weiter Richtung Murmansk ist alles zugefroren. Was die Schiffe betrifft, so würde ich die Einstufung bezüglich Zustand derer bei -2* abgeben.
Im Vorbeigehen beim Discounter unten am Hafenbecken, noch schnell den Tageseinkauf für die Kabine tätigen. Getränke, Snacks und paar Früchte, genügen dem Herrn an der Kasse, der Preise wegen, ohne Vorwarnung ein Attentat auf die Kreditkarte zu verüben. Was im ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, gleich im ersten Anlauf gelingt.
Auf Deck 5 schaue ich mir, nach unzähligem daran vorbei gehen, die grosse norwegische Übersichtskarte an der Wand etwas genauer an. Kirkenes, welches so weit im Norden zu liegen scheint, ist in Wirklichkeit auf dem gleichen Breitengrad wie Tromsø. Auf dem Längengrad wie Istanbul und Kairo.
Die Gangway wieder eingezogen, alle Passagiere an Bord. Es fehlen nur noch die Staplerfahrer, welche die Leinen lösen und die MS Nordnorge ist südgehend unterwegs. Nächster Hafen, Vardø.
Kaum beim Nachtessen, die erste Durchsage auf welche alle schon lange darauf gewartet haben: Nordlichter! ….. und der Speisesaal war leer. In der Abendgarderobe, im Eilzugstempo raus aufs Deck, egal wo, 5 oder 7, spielt keine Rolle einfach nur raus.
Ja sie waren da, die Nordlichter, zumindest in einer bescheidenen Grösse.
Während die einen auf Deck draussen noch auf paar Lichter mehr warteten, sah sich die Gruppe Nachtessen gezwungen wieder in den Speisesaal zurückzukehren. Wie sich herausstellte, gar nicht mal so falsch war. Es gab Rentierfilet.
Gegen 23:00 Uhr der nächste Lichteralarm. Diesmal nicht in der Abendgarderobe, sondern wiederholt in die wetterfeste Deckbekleidung gestürzt. In Windeseile raus, diesmal auf Deck 7.
Die Nordlichter waren wiedergekommen. Etwas kräftiger als noch vor etwas mehr als einer Stunde, doch so richtig überzeugen konnten sie einem nicht. Aller Anfang scheint schwer zu sein – kann auch sein, dass die Passagiere einfach zu viel verlangen? Wir werden sehen.
In Zusammenarbeit von Wind und Wellen reicht die Spritzwassergischt bis Deck 7. Brille und das ganze Gesicht eine wahre Kristallgrube von Salz. Kaum mehr Durchblick bei den Gläsern, der Boden glatt wie ein Spiegel, richtiges Stehen kaum möglich. Geschweige denn Fotos vom tanzenden Licht über uns zu machen.
Das Licht ist ausgeknipst und wir pellen uns in der Kabine aus der Deckkleidung.












Es scheint als habe ich die Barentssee von ihrer etwas unangenehmen Seite kennenzulernen verschlafen. Das entnehme ich zumindest Claudias sowie hörbaren Aussagen im Speisesaal beim Frühstück. In der Tat, die momentanen Schiffsbewegungen hinterlassen den Eindruck von etwas stärkerem Wellengang, was den einen oder andern zusätzlichen seitlichen Stützschritt zur Folge hat. Oder wie der Kaffee auf dem Tisch nebenan, welcher sich über die Untertasse hinweg auf dem Tisch selbständig gemacht.Im Treppenhaus die ersten Anzeichen von körperlichen Problemen – nur mal so sitzt wohl kaum jemand auf der Treppe. Ein Deck rauf oder runter, gebe es bequemere Sitzmöglichkeiten. |
Honningsvåg bereits hinter uns, ist die MS Nordnorge unterwegs nach Hammerfest. Sollte der Eisbärenclub, bei welchem ich Mitglied bin, offen sein, werden wir mal kurz reinschauen und einen persönlichen Gruss vorbei bringen.
Im Unterschied zur nordgehenden Fahrt ist die See bei der südgehenden spürbar unruhiger geworden. Der Himmel mit tiefhängenden Wolken, hie und da ein Aufreissen derer. Auf Deck sieht man ebenfalls weniger Passagiere. Der Gedanke, dass sich dabei gewisse Schwankungen auch auf die Passagiere übertragen, lässt sich nicht von der Hand weisen.
Bis Øksfjord (öksfjor), dem nächsten Hafen, wird die MS Nordnorge backbordseitig angeblich von den Inseln Seiland und Stjernøya flankiert. Desgleichen steuerbordseitig die langgestreckte Söröya. Angeblich, denn im verhangenen Wetter sind sie kaum zu sehen.
Spät abends, 00:00 Uhr, erreichen wir das Tagesziel Tromsø.
Hier besteht die Möglichkeit am Mitternachtskonzert in der Eiskathedrale teilzunehmen. Äusserst empfehlenswert, doch wir sehen diesmal davon ab, zumal wir dies schon auf einer anderen Reise nach Tromsø dies bereits miterleben durften.


Was für ein Tag, früh morgens schon scheint die Sonne ins Zimmer und dann gleich noch mitten auf das Bett. Das pure Gegenteil vom Wetter gestern. Bleibt einen nichts übrig als aufzustehen und raus aufs Deck.Heute geht es in die Lofoten. Eine erste Begegnung derer erhalten wir in Harstad ganz im Norden der Lofoten. Harstad erscheint in der roten Morgendämmerung bei klaren und kalten Temperaturen von -10° sehr kühl. Dem Wetter nach wird es ein fantastischer Tag. |
Endlich sehen wir die Lofoten auch mal bei schönem Wetter. Ausser den Nordlichtern haben wir uns nichts mehr gewünscht.
Es gebe die verschiedensten Gründe hier eine extra Pause einzulegen, bei der Landschaft. Doch ob Kapitän Albrigtsen gleicher Meinung ist lässt sich bezweifeln. Umso mehr, einfach geniessen, einfach vorbei ziehen lassen.
In Reih und Glied, geformt wie ein Schneemann nur etwas farbiger, stehen viele vorne auf Deck 5 gleich unter der Brücke, und blicken in den immer näher kommenden sagenhaften Raftsund.
Neben allerlei Passagieren auf einem Schiff, gibt es wie auch auf der MS Nordnorge viel Personal, welches sich um die Gäste kümmert. Nebst der ganzen technischen Crew, allen voran Kapitän Kai Albrigtsen gibt es natürlich auch die Hotellerie, unter Kirsten Eines Vinje, Küchenchef Jorg Olsen, und der Reiseleiter an Bord Eskild Ognes. Insgesamt sind für das Wohlergehen der 368 Passagiere, 52 Personen an Bord tätig.
Wetten an Bord?
Neben Reisen, gibt es viele andere verschiedene Gegebenheiten, sich zu amüsieren. Eine solche wäre zum Beispiel Wetten abzuschliessen. Wetten auf ein Fussballspiel, auf Pferde- oder Autorennen. Wieder andere, ob eine letzte Zahl der Seriennummer auf dem Geldschein gerade oder ungerade ist.
Wäre ein Buchmacher unter den Passagieren der MS Nordnorge, könnte dieser allenfalls Wetten laufen lassen. Mögliche Wetten wie auf das kommende Wetter, die Temperaturen von morgen. Oder, wie lange es dauert bis das Servierpersonal etwas fallen lässt.
Nur weil wir uns auf einem Schiff befinden, welches hin und wieder Wellen beiseite drücken muss, oder von denselben in die Schranken gewiesen wird, heisst dies noch lange nicht, dass deswegen auch Besteck, Gläser oder Geschirr beiseite gedrückt werden muss. Eine Wette auf Herabfallendes abzuschliessen, so bin ich mir sicher, würde für einen Buchmacher mit Blick auf auszuzahlende Beträge, nicht lukrativ sein.
Es grenzt schon ein bisschen an Unfähigkeit, wenn man bedenkt, was sich alles Richtung Boden bewegt. Und bei jedem zweiten Artikel schützt auch der textile Bodenbelag nicht wirklich.
Ebenso wenig für welches der Gast Verständnis aufbringt, ist die Organisation des Servicepersonals.
In Zusammenarbeit von Servicepersonal und Küche, welches sich beim Tellerschöpfen personell völlig unterdotiert zeigt, lautet die Frage: Wie stehe ich am besten an. Nicht etwa der Gast gemeint, sondern das Servicepersonal. Fünf, sechs, gar sieben Personen stehen in Reihe und Glied quer durch die Buffetkombination Parade und warten bis die Vertretung aus der Küche genügend Teller geschöpft hat. Es versteht sich von selbst, dass auch der Gast während dieser Zeit zuwartet. Stimmt, es sind zwei Gruppen, die einen um 18:00 Uhr, die andern um 20:30 Uhr. Dennoch, wir sprechen von jeweils 200 Personen mit EINER Ausgabestelle.
Leicht anders sieht es aus, wenn der Gast anstelle des Tellerservices das Buffet „plündern“ kann. Beim Buffet ist grundsätzlich Open-Sitzung, es kann also jeder kommen und sitzen wo er möchte. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gast seinen Tisch, zwischen einem ersten und zweiten Gang durch das Personal bereits verliert ist recht gross. Egal ob Getränke, Bücher oder sonst ein Artikel noch auf dem Tisch steht oder liegt, es wird abgeräumt, ohne Wenn und Aber. Fazit: Das Servicepersonal weiss zu keinem Zeitpunkt wann ein Gast kommt oder geht. Fairerweise muss ich jedoch festhalten, es liegt nicht am Nicht-Können, sondern vielmehr an der desolaten Organisation. Desgleichen für den trockenen Gast. Dass ein Gast im Speisesaal vor leeren Gläser sitzt, gehört ebenso zur Tagesordnung wie leeres Geschirr, welches gerne den Weg zur Spülmaschine suchen würde.
Das kann und darf nicht im Sinne von Hurtigruten sein.
Die Küche etwas enttäuschend und dennoch qualitativ gut. Doch im Vergleich zur ersten Fahrt mit der Hurtigrute, namentlich der Trollfjord, für mich ein klarer Rückschritt.
Die Speisekarte, in Form einer Geschichte geschrieben – »SO SCHMECKT DIE KÜSTE«, liest sich sehr spannend, interessant, und ist voll von hohen Erwartungen. Doch in der erhofften Umsetzung, fährt die Geschichte leider nicht mehr so interessant weiter.









Während die Fischgerichte das Prädikat sehr gut erhalten, so sind die Fleischgerichte eher, naja. Oftmals etwas trocken und zäh, dennoch sind Ausnahmen erlaubt. Gebe es zudem eine Rangliste bei den Beilagen, so würde die Kartoffel mit deutlichem Abstand, Weltrekord verdächtig, als Sieger vom Platz gehen. Als Sieger beim Verlierer, die Teigwaren. Alles andere: Beilagen.
Wie die Speisen in der ersten Gruppe (18:30 Uhr) serviert werden, so kann ich aus meiner Sicht, keine verbindliche Aussage machen. Doch in der zweiten Gruppe (20:30 Uhr), kann es, je Abfolge der Tischnummer, möglich sein, dass einige den Hauptgang serviert bekommen, während andere noch nicht einmal die Vorspeise bekommen haben.
Aufgrund dessen, dass sich die „Auslieferung“ der Teller durch die Organisation, bis diese beim Tisch angekommen sind, etwas hinauszögert, kann es durchaus sein, dass ein Teller bis dahin seine grösstmögliche Wärme bereits abgegeben habt und das Menu einem Gast als kalt erscheint. Hat insofern den Vorteil, als dass die Temperaturdifferenz zum gefrorenen Dessert nicht mehr gar so gross ist.
Selbstverständlich hängt sehr viel mit der Organisation des Servicepersonals zusammen, mag diese noch so gut sein, so heisst das noch lange nicht, dass Schlechtes dadurch besser wird und umgekehrt.
22:15 Uhr, den Kaffee oder Tee nehmen wir in der Kabine
Die MS Nordnorge, zwischenzeitlich in Svolvær abgelegt, schippert mit den bekannten 15kN Richtung Stamsund (schtamsun), nach einem kurzen Stopp geht es weiter über die offene See nach Bodø, welches uns um 02:00 Uhr erwartet.
Wie wir, liegen viele andere mit grossen Erwartungen auf die Nordlichter wie auf Nadeln im Bett, erhoffen schnellst möglichst die nächste Nachricht durch den auf Info gestellten Telefonlautsprecher: „Draussen können Nordlichter gesehen werden!“ Der Nachthimmel, äusserst klar, wäre bestens um die Lichter zu betrachten. Doch leider lassen sie sich Zeit, sehr viel Zeit.

Es war nichts mit den Nordlichtern letzte Nacht. Wie viele wohl in ihren Kleidern, halb angezogen erwacht sind, weil sie gehofft hatten, damit möglichst schnell draussen sein zu können? |
Nach Bodø passieren wir den Polarkreis, bei schönstem Wetter jedoch unter sehr stürmischen Winden.
Nach dem Passieren des Polarkreises die Überraschung auf Deck 7. Als Zeremonie anlässlich des Verlassens des Polarkreises wird Lebertran mit Schnaps gereicht. Jeder der einen Schluck Lebertran entweder schluckt oder runter würgt, bekommt einen speziellen Löffel als Erinnerung geschenkt. Während die einen den Schluck locker und mit einem Lächeln zur Brust nehmen, sehen das andere nicht so gelassen und sehen sich gezwungen mit stark geschlossenen Augen, angehaltenem Atem und….runter damit. Und, die Reeling ist ja sooooo nah.
Überschreiten des Polarkreises heisst auch tschüss Nordlichter. Äusserst selten soll es vorkommen dass die Nordlichter den Polarkreis überschreiten. Somit also erst mal keine Hoffnung darüber machen, dass wir doch noch welche in ihrer vollen Pracht zu sehen bekommen. Viele haben wir nicht Gesehen, nur so mal als kleiner Ansatz, doch für einmal lieber etwas weniger, als gar nichts.
Die MS Nordnorge hat mit dem Gegenwind ganz schön zu kämpfen. Die See selbst in Küstennähe sehr unruhig, die Gischt reicht bis Deck 7. Wir entschliessen uns das Panorama von der Bar aus hinter geschützten Scheiben, zu geniessen. Selbst das Gehen von einer Seite zur andern, kommt zeitweise einer Bergwanderung gleich. Wen erstaunt es da nicht, wenn Eskild in einer Durchsage von Winden mit der Stärke von 8 – 9 Beaufort spricht.
Wir legen in Sandnessjøen (sandnesschön) an. Die Warnung von -5° und böigem Wind ist nur das eine, dass auf den Strassen und Gehsteigen blankes Eis liegt, das andere. Ich empfehle jedem bei uns Zuhause einmal seine Urlaube hier in Norden von Norwegen zu machen, bin einmal gespannt wie lange dann noch über fehlende Schwarzräumung gejammert wird. Die Schlittschuhe wieder in der Kabine eingepackt, schippert die MS Nordnorge weiter gen Süden. Vorbei am fruchtbaren Helgelandufer welches zart mit Schnee bepudert ist, geht es über 5 kleinere Küstenorte Richtung Trondheim.
Viele sagenumwobene Inseln und Berge, über welche noch mehr Bücher geschrieben wurden, säumen die Küste. Darunter die Bergkette der „Syv Søstre“ (Sieben Schwestern), der Wasserfall „Brudeslør“ (Brautschleier) und die sagenumwobene Felseninsel „Torghatten“, die in 160 m Höhe ein 40 m grosses Loch aufweist. Leider sahen wir dies selbst aus der Distanz nicht. So hat uns nicht nur der Wind einen Streich gespielt, sondern auch die Dunkelheit. Des Windes wegen musste Kapitän Albrigtsen näher an der Küstenline fahren und somit dem Torghatten etwas aus den Weg gehen.
Heute soll es ein spezielles Nachtessen geben. Eskild versucht schon den ganzen Tag die Passagiere auf dieses Ereignis zu sensibilisieren. Wir sollen alle pünktlich sein und nicht vergessen: 1. Gruppe um 18:00 Uhr, die 2. Gruppe um 20:30 Uhr.
Morgen in Trondheim wird ein grosser Teil der Passagiere die MS Nordnorge verlassen. Aufgrund dessen verabschiedet sich die Crew bei den Passagieren schon heute mit einem speziellen Menu.
Empfangen werden wir von Kirsten (schirschten) und Esklid (eschkil) gleich bei der Eingangstüre und offerieren dem Gast ein Glas Sekt.
Dann heisst es Anstehen auf Reihe und Glied der Führungscrew, allen voran Kapitän Kai Albrigtsen. Ein gemeinsames „Skol“ und Glas erheben – die Crew bedankt sich bei den Passagieren.
Eskild hatte mit dem Menu nicht zu viel versprochen.

Die MS Nordnorge hat am frühen Morgen in Trondheim fest gemacht. Während ein Teil der Passagiere hier die Reise beendet, fahren wir noch ein letztes Teilstück bis Bergen an den Ausgangspunkt unserer Reise weiter. Für die Mehrzahl der Passagiere, zu welcher auch wir gehören, verbleiben noch eineinhalb Tage schönstes Küstenpanorama, der Geruch des Meeres, das Licht der nordischen Landschaft und der erholsame Rhythmus an Bord. Kurz gesagt: noch einmal eineinhalb Tage Balsam für die Seele.
Die MS Nordnorge hat am frühen Morgen in Trondheim fest gemacht. Während ein Teil der Passagiere hier die Reise beendet, fahren wir noch ein letztes Teilstück bis Bergen an den Ausgangspunkt unserer Reise weiter. Für die Mehrzahl der Passagiere, zu welcher auch wir gehören, verbleiben noch eineinhalb Tage schönstes Küstenpanorama, der Geruch des Meeres, das Licht der nordischen Landschaft und der erholsame Rhythmus an Bord. Kurz gesagt: noch einmal eineinhalb Tage Balsam für die Seele.
Nach langen Überlegungen verbleiben wir an Bord und gehen nicht auf einen frühmorgendlichen Spaziergang durch Trondheim. Anstelle eines Spazierganges geniessen wir umso mehr ausgiebig das Frühstücksbuffet.
Hinter uns liegt die nordgehende MS Midnatsol, welche wir besuchen könnten, es bleibt jedoch beim könnten. Wir schauen sie uns etwas aus der Ferne von Deck 5 aus an. Doch ja, die MS Midnatsol ist ein Stück grösser als die MS Nordnorge.
10:00 Uhr, weiter geht es vorbei an der Mönchsinsel, welche zu Zeiten der Wikinger als Richtplatz, später als Kloster oder Gefängnis genutzt wurde.
12:30 Uhr Sitzung für die deutschsprachigen Gäste. Eskild erklärt mit einer sehr feinen Art Humor wie das Prozedere morgen in Bergen verlaufen, nicht sollte, sondern wird. Während die Kabinen bis spätestens 10:00 Uhr geräumt sein müssen, dürfen wir als „Suiten-Besitzer“ bis in den Hafen von Bergen in der Suite bleiben und müssen uns nicht einen Platz in den Restaurants entern.
Lassen wir einmal das Prozedere von Morgen auf uns zukommen, und lassen uns überraschen ob Eskild danach wieder ein Buch schreiben kann.
Die Landschaften werden zusehends niedriger je näher wir dem Süden kommen. Zumindest die ersten Reihen der Landschaft. Im Hintergrund nach wie vor die hohen Berge. Während sich die Sonne schon kräftig am Schnee wegputzen übt, nimmt die grüne Farbe langsam aber sicher überhand.
Meile um Meile nähern wir uns der 18.000 Einwohner zählenden Stadt Kristiansund. Etwas verwundert stehen bei misslichem Wetter Passagiere an Deck welches die Vorbeifahrt an der ersten Insel von Kristiansund auf deren Beispielhaft gezeigt wird, wie auf blank geschliffenem Felsen Häuser gebaut werden, insoweit falsch interpretieren, als dass sie der Meinung sind, der Kapitän heute an Kristiansund vorbeifährt und die Stadt nicht anläuft.
Die Stadt wird von Westen durch die 430 m lange Sørsundbrücke welche das Tor zum Hafen bildet befahren. Die Stadt erbaut auf 3 Inseln und untereinander wie dem Festland durch Brücken miteinander verbunden.
Kristiansund, nicht zu verwechseln mit Kristiansand ganz im Süden von Norwegen
Als Highlight von Kristiansund gilt die „Atlanterhavsveien“ schlechthin. Leider werden wir diese Strasse mit der MS Nordnorge nicht befahren können.
Mit der Anbindung Festland Insel ist die Stadt eingebunden in eine fast fährenfreie Küstenstrasse von Stavanger bis nach Trondheim. Unsummen hat diese Strasse in ihrer jungen Geschichte schon verschlungen, doch den Warenfluss entlang der Küste hat sie allemal radikal verändert. Südlich, kurz vor Kristiansund gelegene Teilstrecke der Atlantik-Küstenstrasse wird diese zu einem richtigen Inselhüpfer. Die Strassenführung kann bei schlechtem Wetter das eine oder andere Mal durch etwas gar grosse Wellen übergossen werden. Bei schönem Wetter jedoch Landschaftsmässig zum Befahren ein Traum. Wir jedoch, nehmen für das eine mal den Seeweg.





Auf der Strecke Kristiansund Molde zeigt uns der Atlantik noch einmal seine unfreundliche Seite. Nicht, dass wir uns das hinaufbeschworen hätten, doch die See hinterlässt bei uns den Eindruck, als wolle sie sich bei uns noch mit etwas unfreundlichen Wellengang verabschieden. Das ist ihr im ersten Anlauf gut gelungen. Früher Vorabend, draussen auf Deck – niemand zu sehen. Die Gischt findet sich auf Deck 7 wieder – die Passagiere in ihren Kabinen.
Das wird ein interessantes Nachtessen, doch siehe da, die See hat sie sich wieder eines besseren besonnen und tut so als wäre nichts passiert.
Die Nacht führt uns weiter über Molde nach Alesund.
Unser Tagesziel: Alesund, mitten in der Nacht.

Der letzte Tag unserer Reise, nur noch wenige Stunden auf der Hurtigruten, dann sind 2.511 Seemeilen mit der MS Nordnorge entlang der norwegischen Küste Erinnerung, ja sogar Geschichte. Gleich nach dem Aufstehen heisst es sich erst einmal Gedanken übers Kofferpacken machen. Spätestens um 10:00 Uhr müssen die Koffer, sofern man sie nicht selber schleppen will, vor dem nächstliegenden Aufzug deponiert werden. |
Ein letztes Mal das grosszügige Frühstücksbuffet, ein letztes Mal die unbeschreibliche
Aussicht auf die vorbeiziehende Landschaft geniessen. Wie schnell 15kN (27.8kmh) doch sein können, in 12 Tagen 4.650 Kilometer hinter sich zu bringen, ist eine, auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht, sportliche Angelegenheit.
Während den 12 Tagen hatten wir vor allem schönstes Wetter, begleitet von ein paar stürmischen Winden, geniessen dürfen. Hin und wieder einen etwas watschelnden Gang an Bord, doch das gehört genau gleich dazu, wie die Gischt auf Deck 7 oben zu spüren bekommen.
Etwas unbeholfen, gar traurig sitzen wir in unserer Suite und werden diese den nächsten Reisenden abgeben. Es stimmt also doch, vorbei sind die 12 Tage Winter. 12 Tage seit man sich in der Kabine häuslich eingerichtet, gar breitgelegt hat, dann wiederum kaum, ausser zum Schlafen sich in den 20 m² aufgehalten hat.
Das Leben an Bord wie der MS Nordnorge erschliesst sich nicht in den vier Wänden einer Kabine, mag diese noch so gross und komfortabel sein. Die Faszination der norwegischen Landschaft, Eindrücke, Stimmungen und Ereignisse muss man von Deck aus erleben. Dem Wetter trotzend auf Deck draussen, egal ob bei Sturm oder bei Sonnenschein. Dort geht der Pulsschlag des Schiffes auf die Passagiere über, die vom Alltag gestresste Seele kommt zur Ruhe. Dort nimmt man die Faszination des Landes auf. Verarbeitet kann dies später immer noch in der Kabine drin.
Unseren Abschiedstag beginnen wir in den mitten in der Nacht in Ålesund. Die Liegezeit von 45 Min. ist zu kurz um sich nochmals ins Nachtleben ausserhalb des Schiffes zu stürzen. Bleiben wir also an Bord, schreiben noch die einen oder andern Gedanken ins Reiselogbuch, geniessen anschliessend die warme Decke, bevor wir in ein paar Stunden das letzte Mal an Bord erwachen.
Noch vor Sonnenaufgang kommen wir an Torvik und Måløy vorbei. Doch das „letzte“ Fotosujet den »Stabben fyr« kurz nach Florø will ich auf keinen Fall verpassen.
Die See gibt sich alle Mühe sich von seiner etwas unfreundlichen Art zu verabschieden. Wer sich dennoch nach draussen wagt, benötigt schon fast die Ölkleider. Die Temperaturen sind zwar merklich gestiegen, doch wie die Bordmechaniker lediglich mit T-Shirt bekleidet auf Deck 5 hinten eine Rauchen, ist eine andere Geschichte.
Dennoch, ich wage mich stark nach vorne gebeugt, gegen den Wind nach vorne an den Bug zu kämpfen. Ich sah schon Kapitän Albrigtsen im Kurzarmhemd auf der Brücke schmunzeln, während mich die Gischt in der Breitseite erwischt. Keine Chance, nichts von aufgeben, ich muss nach vorne. Das Wissen, der Rückweg wird bestimmt etwa gleich schwierig wie der Hinweg, ändert meine Meinung nicht.




14:30 Uhr
Hurtigrutenterminalen Bergen
| …in einer Pünktlichkeit, bei welcher sogar heimische Bus- geschweige denn Bahnlinien rote Ohren bekämen, erreichen wir den letzten Kai unserer Reise – Bergen. Noch bevor die MS Nordnorge am Kai festgetäut wird, stehen die ersten Passagiere mit ihren Gepäckutensilien, welches bei dem einen oder andern in den letzten 12 Tagen unerklärlicherweise im Volumen zugenommen hat, beim Ausgang bereits Schlange. So als könnten sie es kaum erwarten von Bord zu kommen. Nein, weder ein Erhoffen noch müssen, sondern ein wollen. Je schneller wir von Bord sind, je weniger sind die Schmerzen spürbar die Hurtigruten zu verlassen. Niemand geht gerne, und doch wollen alle den nächsten Passagieren Platz machen, damit diese den gleichen Genuss erleben, welchen wir erfahren durften. Es sieht so aus als wären wir nicht die einzigen welche mit dem Gedanken spielen: »Wo steht das Taxi«, welches uns an den Flughafen bringt. Die drohenden Fahrtkosten zum Airport „Flesland“, schmälert keineswegs die Warteschlange an der Taxi Säule. Für alle andern, stehen Busse fast ebenso in der Warteschlage. Jedoch um Fahrgäste aufzunehmen. Uns bleiben 3h für den Transfer, das Einchecken und Platznehmen in der Boeing 737-800 von KLM. Nicht gerade das sportlichste Ziel, dennoch eines, welches wir erreichen müssen. |

Es scheint als habe ich die Barentssee von ihrer etwas unangenehmen Seite kennenzulernen verschlafen. Das entnehme ich zumindest Claudias sowie hörbaren Aussagen im Speisesaal beim Frühstück. In der Tat, die momentanen Schiffsbewegungen hinterlassen den Eindruck von etwas stärkerem Wellengang, was den einen oder andern zusätzlichen seitlichen Stützschritt zur Folge hat. Oder wie der Kaffee auf dem Tisch nebenan, welcher sich über die Untertasse hinweg auf dem Tisch selbständig gemacht.
Was für ein Tag, früh morgens schon scheint die Sonne ins Zimmer und dann gleich noch mitten auf das Bett. Das pure Gegenteil vom Wetter gestern. Bleibt einen nichts übrig als aufzustehen und raus aufs Deck.Heute geht es in die Lofoten. Eine erste Begegnung derer erhalten wir in Harstad ganz im Norden der Lofoten. Harstad erscheint in der roten Morgendämmerung bei klaren und kalten Temperaturen von -10° sehr kühl. Dem Wetter nach wird es ein fantastischer Tag.
Es war nichts mit den Nordlichtern letzte Nacht. Wie viele wohl in ihren Kleidern, halb angezogen erwacht sind, weil sie gehofft hatten, damit möglichst schnell draussen sein zu können?
Der letzte Tag unserer Reise, nur noch wenige Stunden auf der Hurtigruten, dann sind 2.511 Seemeilen mit der MS Nordnorge entlang der norwegischen Küste Erinnerung, ja sogar Geschichte. Gleich nach dem Aufstehen heisst es sich erst einmal Gedanken übers Kofferpacken machen. Spätestens um 10:00 Uhr müssen die Koffer, sofern man sie nicht selber schleppen will, vor dem nächstliegenden Aufzug deponiert werden.