2015 war das Rekordjahr in Sachen Regen. 3017,2 mm in einem Jahr – Bergen die regenreichste Stadt Europas zeigt sich trotz diesem Negativrekord einmalmehr von seiner schönsten Seite. Sonne pur bei knappen 8 Minusgraden und leichter Brise. Gefühlte Aussentemperatur -15°Grad. Ob das wohl an uns liegt? Von unseren bisherigen Besuchen haben wir Bergen bisher nur von der sonnigen Seite kennengelernt. Da liegt die vertretbare Meinung verständlich nahe, dass dies nur an uns liegen kann.
Eingepackt mit Daunenjacke, Wollmütze und Handschuhen wollen wir Bergen bei Nacht bestaunen. Dies nicht schlendernd durch die Stadt, sondern bei solch klarem Himmel vom Fløi dem Hausberg (320m) von Bergen herunter. Die Varianten hoch auf den Fløi zu kommen sind hinreichend bekannt. Per Pedes, also zu Fuss, oder mit der Fløibanen. Wir entscheiden uns trotz den 90 Nok pro Person für die Fløibanen.
Oben angekommen – was für ein Panorama. Über Bergen gerade noch die blaue Stunde erwischt, am Horizont noch das in rot übergehende gelb vom Sonnenuntergang. Unten an Hurtigrutenterminalen liegt die MS Nordkapp die in vier Stunden nordwärts Richtung Kirkenes ablegt. Die MS Finnmarken, welche morgen Abend von Bergen zur gleichen Zeit ausläuft, werden wir zu gegebener Zeit entern. Für heute geniessen wir ersteinmal die atemberaubende Aussicht runter auf Bergen.
Wie mit der der Fløibahnen hochgefahren, fahren wir die Durchschnittlichen 23% wieder runter ins Zentrum von Bergen und finden ein Restaurant fürs Nachtessen. Sushi, ein richtig norwegisches Menu.
MS Finnmarken
Die im Art Déco-Stil gehaltene MS Finnmarken kann sich rühmen, als einziges Schiff der Hurtigruten-Flotte einen Swimmingpool mit Whirlpool an Deck sowie einen für Gäste unüblich besuchbaren Vorderdeckaufbau, ein grosszügiges Backdeck, zu besitzen.
Das Backdeck ist bis zur Spitze des Bugs für Bordgäste gleicher Ebene passierbar.
Auf der 139 Meter langen MS Finnmarken aus dem Jahr 2002 stehen für 1´000 Passagiere 628 Betten und 47 Autoabstellplätze zur Verfügung. Mit diesen Kapazitäten ist die MS Finnmarken eines der drei grössten Hurtigruten-Schiffe. Des Weiteren gibt es auf keinem anderen Hurtigruten-Schiff eine so grosse Auswahl an Suiten.
Nach dem planmässigen Einsatz im Liniendienst auf der Hurtigruten endete am 8. November 2009 die letzte südgehende Fahrt der Finnmarken. Sie wurde von der Reederei für zunächst 18 Monate als Hotelschiff nach Australien verchartert, wobei eine Option auf weitere 18 Monate Verlängerung vereinbart wurde. Für diese Zeit wurden der in schwarz-rot gestrichene Rumpf sowie der Schornstein weiss lackiert. Im Februar 2012 kehrte die Finnmarken wieder in den Liniendienst zurück und ersetzte die Nordstjernen.
Die MS Finnmarken fährt entlang der norwegischen Küste zwischen Bergen und Kirkenes im Hurtigruten-Liniendienst, mit dem die Reederei einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte.
Sollten wir dem zum Teil rauhen aber letztendlich unbeschreibbare Schönheit der Landschaft überdrüssig sein. Gönnen wir uns auf diesem Schiff weitere Stunden der Entspannung auf unserem Balkon, einen Besuch in der Sauna, im Solarium und bei einer Massage oder lassen uns sich bei einem Coiffeurtermin mit einem neuen Haarschnitt verwöhnen.
Nordgående Route
16:15 Uhr – wir dürfen uns im Hurtigrutenterminalen nach dem Check-In und noch vor dem Entern der Finnmarken ein erstes Sicherheitsbriefing anschauen. Pflichtkonsum. Ein jeder Passagier (kurz Pax) darf sich diese kurze Animation über das Verhalten an Bord bei einem allfälligen allgemeinen Alarm anschauen, bevor er an Bord gehen darf – zumindest, wenn die Route in Bergen beginnt. Auf der Passage übernimmt dann der Fernseher auf der Kabine, zumindest was die Animation betrifft.
Mit der falschen Seite – Steuerbord statt Backbord – liegt die Finnmarken am Pier. Kleinere Reparaturen seien vor dem Auslaufen noch notwendig, das erklärt auch warum der Kapitän das Schiff kurz wenden musste. Für uns Passagiere heisst dies: Nicht über das Fingerdock aufs Schiff, sondern erst die Treppe runter, über den Pier gehend zur Finnmarken. Nach dem Zustieg auf Deck 1 finden wir gewohnt die Kabine 613 als wären wir hier zuhause(!).
Doch bevor die Finnmarken Nordgående ablegt wird Kapitän Jon Olaf Klodiussen ein paar Meter hinausfahren, sie wenden und rückwärts wieder Backbord am Pier in Parkposition gehen. Diesem Vorgehen schauen wir auf unserem Balkon auf Deck 6 gelassen zu und sind erstaunt darüber, wie einfach und mit wie wenig Platz sich die 138 Meter lange Finnmarken im Hafenbecken drehen lässt.
Die abendliche Zeit bereits fortgeschritten, liegen wir in der Horizontalen. Noch ist die Finnmarken am Pier fest vertäut und wir werden das Ablegen aus Bergen wohl verschlafen. Im Wettkampf mit dem Lärm des Hubstaplers, welcher die Finnmarken noch mit allerlei Palletten belädt, drehen wir uns mit etwa demselben Lärm vom Bettgestell kuschelnd in die Daunendecke.
Wie das Ablegen, verpasse ich schlafend die Häfen Florø und Maløy. Nur Claudia, vom Schlaf beraubt, steht draussen auf dem privaten Balkon und schaut gelassen den herumwirbelnden Arbeitern bei den Stopps zu.

Beim Überqueren eines ersten Teilstücks offener See, der Stadhavet, überlegt sich bereits der eine oder andere, ob es nicht angesagt sei, das Frühstück auszulassen. Die ersten beiden Häfen verpasst, heisst der nächste Stopp für uns trotz dem leichten Schaukeln Deck 4 Frühstück.
Torvik – 10:30 Uhr parkiert der Kapitän die Finnmarken hauchdünn hinter zwei Serviceschiffen an den Pier. Das reicht nie! Experten unter den Passagieren vorne am Bug stehend und das ganze mit sehr kritischen Augen betrachtend, sahen Kopfeinziehend in Gedanken bereits das Bergungsschiff kommen. Noch bevor das erste Smartphone aus der Hose gekrallt wird, um die ResQ zu alarmieren, werden doch allesamt enttäuscht und nichts wird aus dem Bergungsschiff. Kapitän Klodiussen parkiert die Finnmarken mit einer Handbremsenkehre millimetergenau an den Pier. Ein erstes Staunen der Experten.


Sonnenschein pur. Einzelne Wolken verstecken mal kurz die Sonne – aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.
Erste Schneeberge sind in weiter Ferne auszumachen. Doch Schnee auf Höhe der Wasserlinie suchen wir vergebens, das Thermometer draussen auf Deck 8 zeigt warme 7°Grad an. Im Schatten und mit etwas Fahrtwind sind dies maximal gefühlte 0°Grad. Doch das Wetter bleibt hervorragend. Die Fernsicht wie das ganze Panorama ist einfach paradiesisch.

Wir erreichen um 12:00 Uhr Mittags nicht wie gewohnt am Skansekaia, sondern am Prestebrygga Ålesund. Am Skansekaia entsteht derzeit eine neue Überbauung mit allerlei Angeboten und so darf die Hurtigruten an die Prestebrygga mitten in der Stadt ausweichen. Ein erster längerer Aufenthalt von drei Stunden. Drei Gruppen gestallten sich den Aufenthalt in unterschiedlichster Art und Weise.
Während eine erste Gruppe wie gewohnt um zwölf Essen geht, sprintet die zweite Gruppe Richtung Aksla und wollen nach dem Erklimmen der 418 Treppenstufen die phänomenale Aussicht über Ålesund geniessen. Ein etwas sportlich interessierter schafft den Höhenflug in etwa 20 Minuten. One-way selbstverständlich. Der Rückweg, also Abstieg, zeitlich betrachtet nicht wirklich viel kürzer, weil der weniger sportliche den Aufstieg noch nicht ganz geschafft hat. Hier besteht also Konfliktpotenzial in gegenseitigen vorbeikommen was das Zeitfenster der Besteigung durchaus noch etwas ungünstig gestalten kann.
Zur dritten Gruppe, zu welcher wir uns zählen, nimmt es erst einmal gemütlich. Vom Schiff runter, den Pier entlang, rein in die Stadt. Haus mal links, mal rechts. Wer aufmerksam durch Ålesund spaziert, der lernt viel über den Jugendstil in der norwegischen Stadt am Brosundet-Meeresarm. Bei einem Stadtbummel lassen sich die schönsten Bauwerke auf kurzen Wegen in der Apotekergata, am Aksel Holms Plass und jenseits des Brosundet-Meeresarmes in den Strassen Korsegata und der Kongensgate entdecken.
Doch um die Stadt denn auch wirklich zu Gesichte zu bekommen sind drei Stunden Aufenthalt wohlweislich zu knapp bemessen. Insbesondere dann, wenn gerade der Schlussverkauf in seiner Endphase ist und ein jedes Geschäft mehr mit Rabatten um sich schlägt als mit verkaufbaren Artikeln. Also geniessen wir den Aufenthalt und nehmen mit, was wir in der kurzen Zeit zu sehen bekommen.
Stetig weiter Richtung Norden bringt uns die MS Finnmarken nach Molde.



Molde, die Stadt des Jazz, erreichen wir bei eindunkelnder Nacht. 30 Minuten Aufenthalt reichen gerade mal für ein kurzes Beschnuppern der Stadt. Läden zu, Gehsteige hochgeklappt. Für den Besuch eines Jazzlokales reicht dies bei Weitem nicht und bleiben daher an Bord. Weiter geht es Richtung Norden wo uns Kristiansund um 22:00 Uhr erwartet.
Die Hustadvika, ein nächster Teil offene See will uns doch tatsächlich das bevorstehende Nachtessen ausreden. Bekannt für ihre Wellen und hin und wieder etwas raue See, empfängt uns die Hustadvika heute von ihrer leicht unschönen Seite, und begrüsst uns mit einem netten Schaukeln. Die Finnmarken jedoch steckt die etwas aufgeraute See locker weg und fährt unbeeindruckt Richtung Kristiansund. Ob der eine oder andere Passagier das Schaukeln auch so leicht wegsteckt, ist zu bezweifeln.
Nächster Termin für uns: 20:30 Deck 4 Nachtessen. Es gibt Bacalao als Vorspeise und Lamm mit Karottenkompott als Hauptspeise.




Zugegeben, schlecht war er nicht – der Bacalao, das Lamm…na ja….Geschmacksache. Gehört etwa das Essen zu den einen oder anderen spürbaren Veränderungen seit die Hurtigruten an die Investmentfirma TDR Capital nach England verkauft wurden? Warten wir mal ein paar essen ab, und kommen uaf den Entscheid zurück.
Hurtigruten war in den vergangenen Jahren verschiedentlich für die hervorragende Küche ausgezeichnet worden. Auch die Gäste aus allen Ecken der Welt wussten die Küche zu schätzen und geniessen. Hoch in der Qualität bei den Lebensmitteln wie auch Top in der Zubereitung. Ob sich die bisherige Qualität halten kann, wird sich zeigen. Wir jedoch lassen uns gerne davon überraschen. Rückblickend auf die ersten beiden Tage sieht es nicht so aus, als ob die bisherige Qualität gehalten werden kann.
Bevor wir in Kristiansund anlegen, durchpflügen wir die Dunkelheit. Eine Dunkelheit, welche fast das ganze Umgebungslicht frisst. Einzig die grosse Nyhamna-Raffinerie von Statoil und Shell. Diese ist derart stark ausgeleuchtet als würde die Fussball-WM an einem Abend durchgeführt.
Früh morgens, die meisten noch in ihrem Bett liegend, legen wir in Trondheim an. Langsam aber sicher spürt man den polaren Einfluss. Die Temperaturen sinken langsam in den Minusbereich. -7° Grand weiss das Thermometer auf Deck 8 anzuzeigen. Doch das soll uns nicht davon abhalten Trondheim mit einem Besuch zu beglücken. Schnell merkt der Besucher, dass heute Sonntag ist. Selbst am Valentinstag – Trondheim ist wie ausgestorben. Das Einzige, mal abgesehen von drei vier Tourbussen von der Finnmarken herkommend, sind die Ampeln, welche im sonntäglichen Vormittag Zeit finden die Farben zu wechseln. Ob die wohl Überzeit anhäufen?
Der Turm des Nidaros-Dom, durch die Sonne speziell angeleuchtet, erscheint fast mit einem Heiligenschein, so als wolle der Dom noch zusätzlich auf sich hinweisen. Auf sich hinweisen möchte auch einer der Mitarbeiter im Dom. Grimmig in der Erscheinung, als ob er heute zusätzlich arbeiten müsste, hält er den unzähligen Besuchern eine NON-FOTO-Karte vor die Nase. Na dann gibt es Heute keine Bilder vom Dom und gehen wieder ohne den einen oder anderen Gruss liegen zu lassen.
Der Weg zurück zur Finnmarken finde ich entlang der alten und bekannten Lagerhäuser am Nidelva. Wie fast überall auf den Strassen Trondheims liegt noch sehr viel Eis, welches mit Sand und Splitter bestreut ist. Für die Einheimischen kein Problem, für die Touristen mehrheitlich ein kleineres Desaster. Der Einheimische, noch tänzelnd über das Eis gleitend hat der Tourist hingegen das Gefühl, mit seinem unsicheren Vorwärtsgestampfe auch gleich das Eis brechen zu müssen.
Die Norweger sind sehr herzlich, Eis brechen muss hier niemand.



Die Finnmarken wieder erreicht, schippert diese um 12:00 Uhr mittags an der Gefängnis-, Kloster- und mittlerweile zur Partyinsel erkorenen Munkholmen vorbei, durch den Trondheimfjorden – nächster Stopp, ein kurzer Stopp in Rørvik.
Im Wissen, Neptun wird sich morgen seinen Sold abholen kommen, überfahren wir 07:07:23 Uhr den Polarkreis. Mit dem richtigen Tipp über die Uhrzeit der Überquerung des Polarkreises, spätestens am Vortag beim Tourleader abgegeben, holt sich ein Passagier die Trophäe in Form einer Hurtigrutenflagge ab – gerade mal um 7 Sekunden hat der Preisgewinner sich verschätzt.
Selbst mit einem zuvor gesprochenen Gebet war Neptun nicht ruhig zu stimmen und so holte er sich 10:15 Uhr an Bord den geforderten Sold, welcher ihm bei Übertritt in die Polarzone zusteht. In Reih und Glied stehen die Passagiere und schreiten schweren Fusses mit stark geneigtem Kopf um Busse zu tun.
Eine Kelle voller Eiswürfel, geleert auf den Nacken jedes einzelnen, soll Neptun besänftigen. Die Busse muss fürchterlich sein, doch die Schreie der übernommenen Busse verhallen in der frischen Morgenluft auf Deck 8. Im Wissen Gutes zu tun erträgt ein jeder, der die Busse empfängt mit grosser Tapferkeit auch die Schmerzen dazu. Besänftigt kehrt Neptun in die kühlen Gewässer ohne zusätzliches Gepäck zurück.
12:00 Uhr: Gott Neptun meint es nach wie vor gut mit uns und wir erreichen Bodø zur Mittagszeit mit leichter See.



Schneesturm in Bodø so unerwartet wie erhofft, und doch ist er da. Kurz aber kräftig, selbst die für einen Touristen etwas gar leicht bekleideten einheimischen Damen, suchen den Schutz vor dem Schneegestöber. Als hätte es auf den Strassen nicht schon genug Eis und Schnee – es kommt kurzfristig noch mehr dazu. Doch so schnell der Sturm gekommen ist, so schnell ist er auch weder weg.
Die Überfahrt nach Stamsund auf den Lofoten verhiess aufgrund des Schneesturmes nichts Gutes, doch der erfahrende Tourist irrt sich für einmal und geniesst die sehr ruhige Überfahrt zu den Lofoten. Stamsund zu nächtlicher Stunde erreicht, steigen zwei Gruppen zu – Franzosen und Bewohner von Singapur (Singalesen?). 120 Personen sollen es sein. Morgen in Tromsø werden weitere 250 dazu kommen. Macht Summe Summarum: ausgebucht!
Svolvær der nächste Stopp – 1h Aufenthalt. Das Schneegestöber nimmt einen erneuten Anlauf und wir schlendern ein wenig mit tiefgezogener Mütze und Mondschuhen durch den Schnee im Hauptort der Lofoten. Doch den Schneegestöber eines auswischen zu wollen, verzichten wir auf eine ausführlichere Besichtigung drehen bei und sehen uns auf den Rückweg zur Finnmarken.
Weiter geht die Fahrt gen Norden und biegen in den Raftsund ein. Nein den Trollfjord befahren wir heute wie grundsätzlich in den Wintermonaten nicht. Zu gefährlich sind mögliche Lawinen, welche sich über die bis 1‘000 Meter hohen Felsen links und rechts in dem engen Fjord stürzen könnten. Folglich begnügen wir uns bei der Zufahrt in den Trollfjord zu stoppen und erahnen den Fjord im Scheinwerferlicht vom Deck 5 aus.
Die BESETZER
Besetzer nennt man im Volksmund jene, die sich etwas, ein im Moment des Leerstandes vermeintlich nicht gebrauchter Gegenstand, zu eigenem Vorteil aneignen oder so nutzen, dass anderen der Zugang verwehrt wird. Ein solches Besetzen widerspiegelt sich in beinahe theaterhafter Philosophie in der ersten Sesselreihe an der Panoramfront in Fahrtrichtung. Tagtäglich sind es die gleichen Personen, welche frühmorgens die Polsterstühle reservieren oder gar besetzen. Gehen getrennt Frühstücken oder Mittagessen, damit die Polstersessel ja nicht durch andere Passagiere geentert werden können und sie dann genötigt werden, einen vermeintlich weniger interessanten Ausblick geniessen zu müssen. Nein man bezahlt nicht speziell für diese Aussicht, falls doch, dann höchstens insofern damit, als dass auf den einen oder anderen Ausflug verzichtet werden muss. Ob besagte Besetzer wissen, wie die Aussicht draussen auf den Decks aussieht, ist zu verneinen. Doch schliesslich hat man ja für sich „All Inclusive“ gebucht, also darf ich ja auch vorne Sitzen. Was die anderen gebucht haben – wen interessiert das schon.





Stockmarknes, Sortland, Risøyhavn drei weitere Stopps, welche wir der nächtlichen Zeit wegen verschlafen. Pünktlich zum Frühstück legen wir in Harstadt an. Harstadt selber auch noch nicht ganz erwacht, entscheiden wir, uns den Besuch bei der Rückfahrt vorzubehalten. Unser nächstes Ziel: Deck 4 – Frühstückbuffet.
Im leichten Schneegestöber und dichter Nebelbank gleitet die Finnmarken via Finnsnes weiter nach Tromsø, welches uns 14:30 Uhr erwartet.
Durch den Zustieg weiterer Passagiere hat sich auch die Anzahl der Sprachen verändert. Nynorsk, bokmål, englisch, us-englisch auch amerikanisch genannt, englisch aus Newzeeland und Australien, italienisch, französisch, russisch, japanisch, mandarin, chinesisch, koreanisch, deutsch, und …. schweizerdeutsch sind gerade mal ein paar der hörbaren Sprachen an Bord.
Apropos Sprachen: Jene Pax mit russischem Dialekt üben sich mit viel Engagement im Kartenspiel. Schmunzelt doch der eine oder andere, welcher an den Spielenden vorbeigeht – der goldenen Karten wegen, sicher nicht wegen der Heiterkeit der Familie, welche am Spiel teilnimmt. Nein besagte Familie müsste nicht sprechen. Alleine ihr Verhalten, ihre Gestik zeugt unmissverständlich von ihrer Herkunft. Ob dekadent oder nicht, die Verwendung von goldenen Karten liegt alleine im Entscheid eines Betrachters und nicht des Besitzers. Nicht recherchiert werden konnte zwischenzeitlich eine allfällige Preissumme zum Spielgewinn. Doch diese scheint, mutmasslich betrachtet, wohl auch im Bereich der Dekadenz.


Tromsø: Schneefall mal von rechts, mal von links. Zum Skifahren gerecht gekleidet geht es auf die Piste. Nein nicht Skipiste, sondern auf der Strassenpiste geht es quer durch die Stadt. Shopping hier, Shopping da.
Die Gehsteige beinahe schwarz geräumt, die Strassen mit einem Schnee-Eis-Polster von bis zu 10 Zentimeter. Zu Fuss unterwegs zu sein, heisst in Tromsø vor dem Shopping erst ein kleiner Hürdenlauf.


Ein nächster Hürdenlauf gilt den zusätzlichen Gästen der MS Finnmarken. Mitten im Schneetreiben am Pier stehend heisst es Koffer ziehen. Die Rallyprüfung von heute: Über den Pier 50m Koffer ziehen, eine harte sehr eisige Linkskurve zur und über die 6% Einstiegsrampe der Finnmarken. Kurz vor dem Ziel an der Reception noch das Prüfen der persönlichen Bordkarten, welches mit einem „Hei, velkommen om Bord“ quittiert wird. Egal wie schnell du bist, egal wie clever du die Rally bis hierhin geschafft hast, ohne die Bordkarte gehst du an den Start zurück – zurück auf Feld 1. Die Prüfung über bisherigen hart gestampften Schneebelag, obendrauf leicht wattiert mit 3 Zentimeter Neuschnee, gilt als sehr anspruchsvoll. Ein Parcours für Mensch und Koffer, welcher seinesgleichen sucht. Mit dem Rollator auf der Ebene noch präzise durch den Schnee gelenkt, hängt jetzt im Anstieg zur Rampe mit durchdrehenden Rädern fest. Noch auf der Ebene stehen einige Koffer mit grossem Zeitverlust und festgefrorenen Slicks an der Servicebox. Die Schlepper – handtuchwinkend, die Schweissperlen kurz vor dem festfrieren, gerade noch rechtzeitig abwischend – schleicht sich der bisherige Gast mit äusserst komplexen und optimiertem Gepäck aus hinterster Position an erste Stelle und gewinnt das Schneerally mit grossem Vorsprung. Siegesprämie: der freie Aufzug zu Deck 6.
Wir ziehen uns auf unsere Pitbox….Kabine zurück und erholen uns bis 20:30 Uhr von der überraschend angekündigten und gewonnen Rally quer über den Pier. Vollständig erholt geht es um 20:30 Uhr zum Nachtessen. Über diese Rallys könnte man Bücher schreiben……
Unter Kapitän Tom Rune Einarsen verlässt die MS Finnmarken um 18:30 Uhr Tromsø. Nächster Havn 22:30 Skjervøy und anschliessend über die offene See – der Lopphavet.


Welch ein Morgenrot über dem Rolvsøysundet, aber auch ein Wind, welchem einem vorne am Bug stehend, volle Konzentration abverlangt. Doch die Bilder müssen rauf auf den Vollformatspeicher. Kamera fest im Griff stehst du etwas im Windschatten der Bucht einer Türvertiefung, zoomst die Ausschnitt etwas zurecht, und….. wieder ein Erinnerungsbild auf der Speicherkarte. Rein in die warme Kabine, die Speicherkarte wechselt ihren Slot und steckt zur Bildkontrolle im mitgebrachten Laptop.
Havøysund liegt ebenfalls versteckt im Windschatten wie viele Pax auf der Finnmarken auch. Bei dem Wind gehen nicht viele auf Aussicht auf Deck 5. Erst recht nicht von Bord, wenn die Finnmarken vertäut ist und für 30 Minuten ent- und beladen wird.
Im Magerøysundet hat Neptun nun doch und völlig unerwartet zugeschlagen. Als es darum ging bei Neptun Busse zu tun, habe ich mich nicht der Menschenkette angeschlossen, schliesslich hat manN das bei anderen Gelegenheiten bereits gemacht. Neptun jedoch kennt kein pardon, und ich werde meine Busse im Magerøysundet nachholen. Draussen auf Deck 5, die Türe hinter mir noch nicht zu – eine Windböe, und ich sah meiner Brille im Davonschweben Richtung Wasser nach. Keine Reaktion meinerseits wäre schnell genug gewesen noch rechtzeitig zu reagieren, um meine Brille vor dem Davonfliegen zu hindern. Stehe ich also „unscharf“ im Blick auf Deck 5 und versuche meinen Ärger darüber zu schlucken. Neptun hingegen, der kann sich über eine neue Brille freuen.

Honningsvåg das Dorf am Nordkapp empfängt uns in einem für die Gegend verhältnismässig knappen Schneekleid. Die einen Richtung. Ausflug und die dafür bereitstehenden Busse förmlich dahinrennen. Das Thema: Nordkapp. Endlich darf „ich“ am Nordkappstehen. Es gibt einiges was man im Leben gesehen haben sollte, doch ob das Nordkapp gerade dazu gehört? Mich persönlich jedoch bekümmert dies erst mal nicht, sondern vielmehr, wie finde ich hier als unscharf blickender Hahn, nicht Huhn, eine Lesebrille. Bis ich eine für meine Augen korrigierte neue Brille bekomme, einmal abgesehen von der Reservebrille, die zu Hause liegt, muss ich erst einmal nach Hause kommen. Ohne Mindestunterstützung in Form einer „Lesebrille“ bedeutet dies 7 Tage Blindflug.
Was für mich das Tages- Highlight war die Lesebrille zu finden, so ein Niederschlag die Ausflügler ans Nordkapp hatten. Ein Tourbus einer anderen Ausfluggesellschaft fand bei starken Windböen den Graben neben der Strasse. Folglich war die Strasse für alle gesperrt, und der Ausflug eben gecancelt. Enttäuscht und mit hängenden Köpfen hiess es für die vermeintlichen Ausflügler zurück zur Finnmarken.
Mit einer neuen Lesebrille, der, wie Claudia meint „Modell Professor“ und überraschend günstigen 149 NOK, geht es zurück an Bord der Finnmarken und im Einbruch der Dunkelheit weiter nach Kjøllefjord. Nach einem kurzen Stopp über Mehamn nach Berlevåg. Zwischenzeitlich die Barentssee erreicht, spürt man nicht viel von der sonst eher welligen und mehrheitlich unfreundlichen Umgebung. Über Båtsfjord, Vardø, Vadsø und schliesslich nach dem Durchpflügen des Bøkfjorden erreichen wir den Havn von Kirkenes.
Kirkenes: Für die einen heisst es Endstation und müssen der Finnmarken Tschüss sagen, für uns gerade mal Halbzeit. Auch für Patricia und Véronique unsere Tischnachbarinnen beim allabendlichen Essen, heisst es Abschied nehmen. Abschied von der Finnmarken und uns. Patricia und Véronique – gute Heimreise und herzlichen Dank für die interessanten Gespräche.
Ob wir auf der Rückfahrt neue Tischnachbarn bekommen?
Hoffen wir doch, wem sonst sollten wir den unseren, der bei der Suite inkludierten Wein verschenken? Ja, bei den Suiten gehört das Wasser- und Weinpaket ohne Mehrkosten dazu. Weine wie der Amarone oder Barolo zu je ~525 NOK (65CHF) gehören dazu. Wir als nicht Weintrinker gönnen diese edlen Tropfen unseren Tischnachbarn. Das Kaffee- zum Sparopfer geworden, das Weinpaket neu mit Inbegriffen. Das soll noch einer verstehen.
09:00 legen wir am Pier von Kirkenes an. Draussen vor dem Pier erwartet uns neben vielen anderen Bussen der Shuttle-Bus. Busse mit Fahrzielen wie Flughafen Kirkenes-Høybuktmoen, Ausflug zur norwegisch-russischen Grense Storskog oder zu einen der vielen Ausgangspunkte für Ausflüge der Huskys- oder Ski-doos-Touren. Der Shuttle-Bus hat den Auftrag uns ins Sentrum von Kirkenes zu chauffieren. Den Rückweg nach der kurzen Stadtwanderung, erfolgt dann zu Fuss.
Der Chauffeur kurz und trocken: „…gud i morgen, jeg hilser med nydelig vårvær ved 2 ° grad…!“ (guten morgen, ich begrüsse Sie bei traumhaften Frühlingswetter bei 2° Grad) Ausgehend von Temperaturen von bis zu -32° Grad, welche normalerweise um diese Jahreszeit gemessenen werden, sind die heutigen +2° in der Tat schon sehr frühlingshaft.




Kirkenes: Für die einen heisst es Endstation und müssen der Finnmarken Tschüss sagen, für uns gerade mal Halbzeit. Auch für Patricia und Véronique unsere Tischnachbarinnen beim allabendlichen Essen, heisst es Abschied nehmen. Abschied von der Finnmarken und uns. Patricia und Véronique – gute Heimreise und herzlichen Dank für die interessanten Gespräche.
Ob wir auf der Rückfahrt neue Tischnachbarn bekommen?
Richtung Bergen auf der Sydgående Rute
