Die ersten Kilometer auf dänischem Boden waren ein Kulturschock. Im Vergleich zu Norwegen, wo die Strassen kurvenreich und hügelig sind, fühlte ich mich hier wie auf einer riesigen, flachen Platte. Die Strassen sind so breit und gut ausgebaut, dass sie fast schon langweilig wirken. Man fährt einfach geradeaus, ohne dass es auch nur die kleinste Erhebung gibt dabei der Strassenverlauf weniger Kurven verzeichnet als in Norwegen gerade mal durch ein Dorf. Der Schilderwald links und rechts der Strasse kaum Überblickbar.
Vorbei ein Schild welches auf ein nächstes Hindernis aufmerksam macht – Kreisel in 150 Meter. Nächstes Schild: 25 Meter vor dem Kreisel – Ende Autostrasse, Tempo 90 aufgehoben. Und der Kreisel, ah ja Tempo 90 aufgehoben.


Es ist faszinierend, wie die Landschaft sich verändert hat. Statt der rauen, dramatischen Fjorde gibt es weite Felder, die von Landwirtschaft geprägt sind. Die höchste Erhebung kaum ersichtlich, frech wenn ich sage die Höhe der Welle im Meer? Eine Wasserwage auf den Boden legen, vergiss es.
Die Schönheit Dänemarks liegt in seiner Schlichtheit. Die Felder scheinen endlos zu sein, und die Weite vermittelt ein Gefühl von Freiheit. Landwirte, die ihre noch grösseren Traktoren über die Felder steuern. Es ist eine andere Art von Ruhe und Gelassenheit, die hier herrscht, und ich muss sagen, dass ich sie auch zu schätzen weiss.
Als wir schliesslich in Doverodde ankamen, 170 Kilometer von der Fähre entfernt, wurde mir klar, dass Dänemark seinen eigenen Charme hat. Die sanften Landschaften, die klaren Linien der Felder und die entspannte Atmosphäre machen es zu einem ganz besonderen Ort. Auch wenn ich die rauen, dramatischen Landschaften Norwegens vermisse, kann ich die Schönheit dieser weiten, flachen Flächen nicht leugnen. Es ist einfach eine andere Art von Natur, die mir ebenfalls Freude bereitet.

Unser Haus in Doverodde unterscheidet sich völlig konträr zum Haus in Farsund. Farsund ist der Inbegriff von Minimalismus – klare Linien, offene Räume und eine reduzierte Farbpalette. Alles strahlt Ruhe und Einfachheit aus. Im Gegensatz dazu steht unser Landhaus in Doverodde, das mit rustikalem Charme und Gemütlichkeit aufwartet. Holzvertäfelungen, Cheminee und ein Hauch von Tradition machen es zu einem perfekten Rückzugsort. Erstaunlich wie zwei so unterschiedliche Stile in einem einzigen Leben Platz finden können. Beide Orte sind auf ihre eigene Weise erfolgreich und bereichern eine vielschichtigkeit unsers Leben.
DEVERODDE KØBMANDSGÅRD
Heute beim Besuch des Doverodde Købmandsgård habe ich sehr viel über Kunst gelernt. Nicht darüber, wie mein Stetson wie eine Möwe im Segelflug in 42 Meter Höhe davongeflogen ist, ich dabei einen Tanz der Verhinderung vollführte, einer welcher andere, ebenfalls auf dem Aussichtspunkt beinahe zu einem Standingovation hinreissen liess. Für einen Videojournalisten eine glatte 12+. Ganz im Gegenteil, es sollte ein Teil der Ausstellung sein, welche mein Verständnis der Kultur auf ein neues Level brachte.

Man muss schon eine besondere Gabe besitzen, um in oxidiertem Eisen ein Meisterstück zu sehen. Aber bitte: Jede braune Stelle ist natürlich ein Pinselstrich der Natur. Da hat sich der Regen richtig Mühe gegeben. Und erst die Geschichten! Wenn dieser Zaun reden könnte, würde er wahrscheinlich davon berichten, wie oft er ignoriert wurde, während er stur das Grundstück bewacht. Ein echter Held, der so tut, als wäre er unsichtbar, nur um uns dann mit seinem versteckten Tiefgang zu überrumpeln. Es ist fast schon tragisch, dass wir diesem Draht-Gott nicht jeden Tag mit Blumen huldigen. Wahre Grösse findet man eben nicht in schicken Ausstellungen, sondern direkt neben der Biotonne.
Szenenwechsel – 4. OG des Doverodde Købmandsgård.
Der Maschendrahtzaun nicht nur als Objekt präsentiert, sondern als ein Stück lebendige Kunst. Hier wird er befreit von seiner Funktion, um als Symbol für die vergessenen Dinge im Alltag zu stehen. Ein neues Stück Maschendraht an der Wand? Das ist nicht einfach nur ein Stück Draht; es ist eine Hommage an das Gewöhnliche, das oft übersehen wird.
Man fragt sich, wie viele Kunstwerke in unseren eigenen Gärten, Höfen oder sogar in unseren Strassen verborgen sind. Vielleicht ist es an der Zeit, den eigenen Zaun einmal genauer zu betrachten. Ist es nur ein Zaun oder ein stiller Zeuge der Zeit? Ein Kunstobjekt, das darauf wartet, entdeckt zu werden? Wenn wir uns die Mühe machen,

Kunstkenner welche die unterschiedlichen Gemälde, oder Fotografien in den Ausstellungsräumen bis auf den letzten Pinselstrich oder eingestellte Blende zu erklären vermochten, verpassten aus Sicht eines Besuchers das eigentliche Kunststück im Doverodde Købmandsgård – die öffentlichen Nasszellen.
„Örtchen“ nennt der Künstler seine liebevoll unter Druck gestaltete Kreation. Als Kunstkritiker erklärt……
Das „Örtchen“ vermittelt eine Atmosphäre von schlichter Eleganz, Funktionalität und Raffinesse. Es repräsentiert einen modernen, aber dennoch warmen und einladenden Stil. Die Oberflächen sind allesamt hochwertig und scheinen langlebig zu sein. Die Beleuchtung ist diffus, aber ausreichend, um die Texturen und Glanzpunkte hervorzuheben. Es gibt keine überflüssigen Dekorationen, was den minimalistischen Ansatz unterstreicht. Das Design wirkt durchdacht und auf jedes Detail bedacht, was auf ein hohes Mass an Handwerkskunst und Designkompetenz hinweist. Es ist ein Beispiel für „weniger ist mehr“, bei dem die Qualität der Materialien und die Klarheit der Form im Vordergrund stehen. Als Focuspunkt lässt der Künstler den Blick auf „die Rolle“ schweifen – die Kopfstütze als schweisstreibende Doppelfunktion.
die NATUR
Warum sich im Supermarkt mit Menschenmengen herumschlagen, wenn die wahre Natur direkt vor der Tür liegt? Da hüpfen die Feldhasen über die Wiese, während ein Rehbock etwas beeilt den Schutz im hohen Gras sucht. Die Fasane leuchten unverkennbar an ihren bunten Federn im abendlichen Sonnenlicht. Sie sind die wahren Stars dieser Naturbühne, und ich ein stiller Zuschauer, bepackt mit einer Nikon, mit der Hoffnung, das eine oder andere Bild zu erhalten.
Aus dem hohen Gras lugt ein Dachs hervor, so Claudia. Ein Dachs?! Ich kann mein Glück kaum fassen. Wo ist das Fernglas? Ich greife hastig danach, um dieses seltene Tier besser betrachten zu können.
Mit jedem Blick durch das Fernglas wird der Dachs klarer. Er wirkt kräftig, etwas schnell unterwegs. Ein Schmunzeln kann ich mir dann doch nicht verkneifen: »Schau mal, der Dachs hat sogar eine Tätowierung – Husqvarna!»
Ich stehe am Rand des Gartens und lasse den Blick über die Wiese schweifen. Die Feldhasen machen einen kleinen Wettlauf, und der Rehbock schaut neugierig, während die Fasane munter umherflattern. Der Dachs hat sich mittlerweile wieder ins hohe Gras zurückgezogen, doch das Bild seiner Tätowierung bleibt mir im Kopf. Es ist diese Art von Momenten, die mir zeigt, dass das Leben draußen, zwischen den Tieren und in der Natur, viel aufregender und erfüllender ist als alles, was ich im Supermarkt finden könnte.
die ARBEIT
Es ist die Zeit des Jahres, in der die Rapsfelder leuchtend gelb blühen, frisch gemähtes Gras darauf wartet, verladen zu werden. Dafür die grossen Traktoren sich wie eine Perlenkette aufreihen, jeder bereit, seinen Beitrag zur Ernte zu leisten. Fahrer um Fahrer seinen frisch geleerten Ladewagen unzählige Male wieder gefüllt bekommt.

Case, John Deere, New Holland – die Markenvielfalt ist beeindruckend. Jeder Traktor hat unvorstellbare Stärken, doch alle haben eines gemeinsam: Sie sind darauf ausgelegt, die schweren Ladewagen mit Leichtigkeit zu ziehen. Die Ladewagen mit drei Achsen sind wahre Giganten, die prall gefüllt mit frischem Gras durch die Landschaft fahren. Um dann wieder zu entladen, hintenan zu stehen, um erneut beladen zu werden.


Unter all den Traktoren fällt einer besonders auf – ein Valtra der Serie 9, der mit einem 3-Achser-Druckfass über die Felder gleitet. Sein Auftrag: Verteilen der Gülle mit dem Holländersystem – 30 000 Liter und eine Arbeitsbreite bis 27 Meter. Kommt dir ein solcher auf der Strasse entgegen, wird jede noch so breite Fahrbahn sehr schnell, sehr schmal.
Dieser Traktor ist nicht nur ein echter Blickfang, sondern auch ein Beispiel für moderne Technik und Innovation. Bereits in Norwegen verschiedentlich bei Forstarbeiten im Einsatz aufgefallen, scheint er hier oben zum Standard geworden zu sein. Mit seiner robusten Bauweise und der beeindruckenden Leistung schafft er es mühelos, auch in anspruchsvollen Bedingungen zu arbeiten.
die KALKGRUBERNE I MØNSTED
In den Gruben herrschen das ganze Jahr hindurch nur 8°C, man glaubt es fast nicht, doch dies bereits ab dem ersten Schritt in die Katakomben. Ein grund mehr, bei den konstanten Temperatur werden die Gruben außerdem zur Lagerung von Käse genutzt. Wir sind in den Kalkgruben von Mønsted.
Die Mønsted Kalkgruben sind wirklich ein beeindruckendes Stück Geschichte und Technik. Mit über 60 km an unterirdischen Minengängen sind sie die grössten ihrer Art weltweit. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele verschiedene Gänge es hier gibt – einige sind so hoch, dass man das Gefühl hat, in einer Kathedrale zu stehen, während andere so niedrig sind, dass man gebückt gehen muss. Es ist ein faszinierendes Labyrinth aus Kalkstein, das über Jahrhunderte hinweg gegraben wurde.
Die Geschichte der Kalkförderung hier reicht bis vor 1000 Jahren zurück. Die ersten Kirchen, die im Mittelalter gebaut wurden, benötigten Kalkmörtel, und genau hier in der Nähe von Mønsted fanden die Bauern den perfekten Kalkstein. Die Lage war günstig, und so wurde die Kalkförderung für die Einheimischen zu einem wichtigen Nebenverdienst. Allerdings war die Arbeit nicht ganz einfach. Die Bauern mussten zuerst ihre Felder bestellen und ernten, weshalb die Kalkförderung vor allem in den Wintermonaten stattfand.
Um die Arbeit in den Gängen zu erleichtern, wurden sie sorgfältig ausgegraben, um Morast und Matsch zu vermeiden. Das ist eine echte Ingenieursleistung, die zeigt, wie einfallsreich die Menschen damals waren. Erst ab 1820 wurde die Kalkförderung ganzjährig betrieben, was die Effizienz und Produktion erheblich steigerte.
Ihr Ende fand die Förderung 1955, doch die Mønsted Kalkgruben sind bis heute ein beliebtes Ziel für Besucher. Die unterirdischen Gänge ziehen viele Menschen an, die die beeindruckende Architektur und die Geschichte erkunden möchten. Es ist ein Ort, an dem man die Verbindung zwischen Mensch und Natur, zwischen Geschichte und Handwerk hautnah erleben kann. Wer die Gelegenheit hat, die Kalkgruben zu besuchen, sollte sich diese einzigartige Erfahrung nicht entgehen lassen!







die BESUCHER
Man könnte einfach zugreifen, doch vermutlich ist der kleinste Versuch einem Besucher näher zu kommen zum Voraus zum scheitern verurteilt. Ich sehe sie allesamt vor Lachen gekrümmt in einer Ecke sitzen und sich über den Touris amüsieren. Der Touri nicht etwa das Nachtessen suchend, sondern einfach ein Fotoshooting machen möchte, sehen sich die Besucher etwas Kamerascheu. Die doch noch geschossenen Bilder, mit der Bezeichung „knapp genügend“ vertrösten einen Fotografen vorerst, derselbe jedoch damit spekuliert in den kommenden Tagen doch noch das perfekte Bild von einem Besucher zu erhaschen.



Und so bleibt der Fotograf, der auf der Suche nach dem perfekten Moment ist, oft mit den „knapp genügend“ Bildern zurück, während er darauf hofft, dass sich irgendwann die Gelegenheit bietet, das richtige Bild zu schiessen. Aber vielleicht ist das auch der Reiz – die Jagd nach dem perfekten Schnappschuss, der nie so ganz kommt, aber immer wieder neu versucht wird.
Es war zu verlockend, das frische Gras im Garten. Das Bild kam, spät aber perfekt!


ein FRISØR – det specielle opgav
Ein Frisør in Dänemark hat einen ganz spziellen Auftrag. Seine Kunst ist beeindruckend, und jeder Schnitt ist ein Meisterwerk. Der Geradeschnitt ist für ihn ein Kinderspiel, während der Schrägschnitt und das Effilieren echte Herausforderungen darstellen. Mit seiner speziellen Technik formt er kunstvollen Skulpturen. Er wechselt die Perspektive und schneidet mal von Westen, mal von Süden oder Osten, was jedem Baum eine ganz eigene Note verleiht. Nur selten greift er auf den Norden zurück. Doch dann sind seine Kreationen sehr stürmig. Es ist faszinierend zu sehen, wie er mit Geschick und Kreativität die Frisuren umgestaltet


der WEG
Die Strasse der wir folgen führt ins Endlose, kennt kein Ende und verschwindet im Horizont. Schwinden sehen wir jedoch auch die letzten Tage unseres Aufenthaltes in Norwegen und Dänemark. Noch ist nicht Schluss, doch sie endet in 1425 Kilometern. Nicht die Strasse, sondern unsere Reise.
Die Tage vergingen schnell, und während wir die letzten Kilometer zählten, wurde uns bewusst, wie viel wir in dieser Zeit gesehen und erlebt hatten. Aber auch neues unbekanntes Kennenlernen durften.
Die Reise konträrer könnte der Unterschied kaum sein – vom rauen Charme der westlichen Südküste Norwegens mit ihren Fjorden und steilen Klippen bis hin zur sanften, flachen Nordwestküste Dänemarks, wo die Strände endlos erscheinen und die kleinen Küstendörfer zum Verweilen einladen.
Nach insgesamt 4937 Kilometern war unsere Reise ….
