SÜDKÜSTE NORWEGEN II

Die Wetterprognose – das Einzige, was in der modernen Welt noch unberechenbarer ist als die Launen eines Teenagers. Doch die Zuversicht für heute hatte einzig einer der Nachbarn Pfingstsonntag schiebt er seinen Rasenmäher bei 12 Grad und «oben ohne» Bahn um Bahn durch den Garten.

Der Blick auf die yr.no-App. Auf unseren Reisen bisher ausgesprochen zuverlässig, sind wir doch zu der Meinung gekommen, dass die Prognosen die Sonne mit in den Urlaub mitgenommen haben. Eine erste Abfrage ernüchternd – feucht bis hinter die Ohren.

Ein App-Reset? Na klar, warum nicht? Man könnte genauso gut versuchen, einen Kühlschrank voller Lebensmittel mit einem Zauberstab in ein Festmahl zu verwandeln. Doch das Reset scheint die Zuversicht des Nachbarn zu teilen – Sonnenschein und 15 Grad –  und stabil die nächsten 72h.

HIDRA

Pfingsten, immer wieder eine Herausforderung an den Verkehr. Die Karte ist der Meinung Hidra sei eine sehr gute Alternative für einen Ausflug. Ist der Verkehr nicht Staugeplagt findet sich sogar der Weg über die Panoramstrasse nach Egersund. Doch ersteinmal ist auch in Norwegen Pfingsten mehr als nur ein normaler Sonntag was Einfluss auf die Fähren nach Hidra nimmt.

Hidra ist der Ort, an dem Südnorwegen auf Westnorwegen trifft. Nahe Flekkefjord besticht sie durch tiefe Fjorde und idyllische weisse Holzhäuser in den malerischen Fischerdörfern Kirkehavn und Rasvåg. Hidra hat knapp 600 ständige Einwohner.

Ein Kanal teilt die Insel in zwei. Kurz gesagt: beeindruckende Natur, eine wunderschöne Kulturlandschaft, zahlreiche historische Stätten und eine reiche Küstenkultur.

DAS Gesicht

Hidra, das kleine Paradies in Südnorwegen, ist ein wahrer Geheimtipp für alle, die dem hektischen Alltag entfliehen möchten. Die ruhige Insel bietet eine einzigartige Atmosphäre, in der man die Seele baumeln lassen kann.

Die Anreise zur Insel ist bereits ein kleines Abenteuer. Wer jemals versucht hat, an Pfingsten nach Hidra zu gelangen, weiss, dass die Fähren ein Eigenleben führen. Es ist fast so, als ob sie sich mit den Feiertagen solidarisieren und beschliessen, dass weniger manchmal mehr ist. Aber keine Panik: Die Überfahrt dauert 7 Minuten und ist kostenlos.

Auf der Insel Hydra angekommen, wird das Autofahren zum Abenteuerpark! Strassen sind so schmal, dass jeder weisse Strich zur Fahrbahnbegrenzung selbst breiter wäre.

Kurven – gibt es auf Hydra mehr als Möbel in einem schwedischen Möbelhaus! Steigungen sind so steil, dass man beim Hochfahren das Gefühl hat, gleich auf dem Weg zum Mond zu sein. Der entgegenkommende Kinderwagen die Steigung gerade noch ohne Seilwinde schafft. Abends werden dann nicht wie üblich die Schritte, sondern die Steigungen gezählt.

Mit ein bisschen Geschick und der richtigen Portion Mut findet man immer eine Ausweichbucht, um einem Entgegenkommenden auszuweichen – oder ihm einfach einen freundlichen Wink zu geben, während man versucht, die eigene Schweissperle von der vorherigen Kurve rechtzeitig abzuwischen.

Jæren – die Strasse

Die Nasjonale Turistverger – Jæren ist ein wahres Juwel an der norwegischen Küste. Die Strecke von Flekkefjord bis Bore erstreckt sich über 130 Kilometer und bietet eine Küstenlandschaft, die ihresgleichen sucht. Hier trifft das raue, wilde Meer auf dramatische Felsszenarien und malerische Strände, die sich über die gesamte Route ziehen. Anders als viele andere Landschaftsrouten in Norwegen ist die RV 44 nicht nur eine Touristenstrasse, sondern auch ein normaler Transportweg, der das alltägliche Leben mit der atemberaubenden Natur verbindet.

Die Küste hier ist wild und zerfranst, und die Landschaft wechselt ständig zwischen steilen Klippen, tiefen Schluchten und romantischen Bergseen. Es gibt so viele Aussichtspunkte, dass man am besten mindestens zwei bis drei Stunden für die 66 Kilometer einplanen sollte. Jede Kurve bringt einen neuen Blick auf die beeindruckende Natur, und die starken Steigungen und Gefällestrecken machen jede Fahrt zu einem Abenteuer.

Doch Vorsicht: Die schmale Strasse ist gespickt mit Haarnadelkurven, die fahrerisches Geschick erfordern. Für Wohnmobile ist die Strecke daher nicht geeignet, da die enge und kurvenreiche Route eine Herausforderung darstellen kann. Aber für abenteuerlustige Autofahrer ist es ein unvergessliches Erlebnis, das einen mit spektakulären Ausblicken belohnt.

Als Highlight gilt auch das Fischerstädtchen Egersund. Eine lokale Kultur und frischen Fisch wird empfohlen. Vorausgesetzt es ist nicht Pfingstensonntag und alles hat geschlossen. Die Kombination aus atemberaubender Natur und charmanten Orten entlang der Route macht die Nasjonale Turistverger – Jæren zu einem Muss für jeden Norwegen-Besucher.

HELLEREN

Die Nordseeroute zwischen Egersund und Flekkefjord führt dich zu einem ganz besonderen Ort: dem Jøssingfjord mit den beeindruckenden kleinen Häusern unter dem riesigen Fels Helleren. Umgeben von unzähligen Grautönen wirkt die Szenerie fast surreal. Helleren, auch „Hedlaren“ genannt, bietet mit seinem natürlichen Dach Schutz und hat Menschen seit Jahrhunderten beherbergt. Die Tropfen, die mehr als 10 Meter in die Tiefe fallen, zeugen von der Grösse dieses Felsens. Die beiden kleinen Häuser, die aus dem 19. Jahrhundert stammen, haben ihren ganz eigenen Charme – ohne richtiges Dach stehen sie da, da Helleren sie beschützt. Diese einzigartige Kombination aus Natur und Geschichte macht den Jøssingfjord zu einem unvergesslichen Erlebnis. Seit 2002 kümmert sich das Dalane Folkemuseum um diese faszinierenden Bauwerke, die vermutlich seit dem 16. Jahrhundert besiedelt sind.

UNTERWEGS

Nach Pfingsten ist die Strasse wieder lebendig. Drei Tage, an denen fast nichts funktionierte. Abgesehen von den Tankstellen, die geöffnet hatten, war alles geschlossen. Selbst das Wetter legte eine Pause ein.

Der zu erwartende Verkehr über die Pfingsttage hat die Tankstellen kurzfristig einem Stresstest unterzogen. Folglich der Benzinpreis ohne Ansage am Freitag zum Feierabend auf 23.55 für Blyfri 95 und 23.98 für Diesel schoss. Nicht etwa für die gesamte Tankfüllung, sondern für einen Liter. Das entspricht 2.00 CHF. Heute Dienstag zur Mittagszeit liegt der Mittelwert für Blyfri 95 bereits wieder bei 18,57 NOK bzw. 1,57 CHF.

Auf mögliche Entwicklung der Treibstoffpreise nehmen nicht nur Feiertage Einfluss, auch die Lage der Weltwirtschaft, so erzählt man sich, sieht sich gezwungen darauf zu reagieren.

Die Weltwirtschaft ist wie ein schlecht gelaunter Chef: Man weiss nie, was als Nächstes kommt. Feiertage steigern die Nachfrage, und die Preise schiessen in die Höhe. Es ist, als würde der Ölmarkt ein riesiges Festessen veranstalten, bei dem jeder Gast mit einem Stück vom Kuchen nach Hause gehen möchte, während wir uns um die letzten Krümel streiten.

Benzinpreise innerhalb eines Jahres

Napoleon

Die Schweiz verdankt Napoleon drei wichtige Entwicklungen.

  • Erstens führte er die Hausnummerierung ein, die eine klare Orientierung in Städten und Dörfern ermöglicht.
  • Zweitens wurde der Schweizer Franken als einheitliche Währung eingeführt, was den Handel und die wirtschaftliche Stabilität förderte.
  • Drittens beeinflusste er die Einführung von metrischen Masseinheiten wie Meter, Zentimeter und Millimeter, die eine präzise Kommunikation in Wissenschaft und Technik garantieren.

Im Gegensatz dazu ist Norwegen bekannt für die Napoleonskake, eine köstliche Variante der Cremeschnitte. Diese besteht aus mehreren knusprigen Blätterteigschichten, gefüllt mit einer reichhaltigen Vanillecreme und Sahne, und ist oft mit Zuckerguss oder Fondant überzogen. Ein Genuss, der mit Napoleon assoziiert wird, jedoch auf die norwegische Backkunst verweist.

In Norwegen wird Napoleon oft liebevoll mit den Worten: „Politisch kann man von Napoleon halten, was man will – aber Kuchenbacken, das konnte er.“

Wer allerdings bei der renommierten Bäckerei Edgars vorbeikommen mag, wird ganz sicher nicht an diesem Napoleon vorbeigehen können!

DIE STRASSE

Die Strassen sind oft gesäumt von Wegweisern, die uns zu bekannten Orten führen, doch manchmal ist es genau das Unbekannte, das uns die besten Erlebnisse beschert. Du fährst los, ohne dir vorher eine genaue Route auszusuchen oder dich an den üblichen touristischen Pfaden zu orientieren. Du nimmst die nächste Abzweigung und lässt dich von der Strasse treiben, neugierig auf das, was hinter der nächsten Kurve auf dich wartet.

KVINSEDAL

Bei Kvinsedal fährst du über eine Anhöhe. Öffnet sich der Blick auf eine atemberaubende Landschaft, die dir bekannt vorkommt, vielleicht schon gesehen hast – Zuhause auf 1800 Meter über Meer. Hier bist du gerade mal auf 350 Meter über Meer. Unberührte Wälder, Seen laden zum schwimmen ein, der Wanderer verschwindet in der Landschaft.

FARSUND RESORT

Ein paar Kilometer weiter ein nächstes Schild – Farsund Resort. Die Karte hat es dir gesagt, dass es hier ein Resort gibt, und die Schilder haben dich neugierig gemacht. Als du ankommst, wirst du von der unerwartet interessanten Atmosphäre empfangen. Der Blick auf die Häuser, das Wasser mit kleinen Booten, auf der Terrasse wechseln sich Taucher in trockene Kleidung, oder laden zum Verweilen ein.

In diesen Momenten, in denen du die gewohnten Wege verlässt, merkst du, wie viel Freude das Entdecken des Unbekannten bringen kann. Es sind die unerwarteten Begegnungen, die kleinen Wunder am Wegesrand, die deinen Tag zu etwas Besonderem machen. Und genau das ist es, was das Reisen so wertvoll macht – die Möglichkeit, immer wieder überrascht zu werden.

Wir lassen uns weiter überraschen und finden, wiederum in einer «Sackgasse»,

EIKVÅG und LOSHAVN

Südlich von Farsund befindet sich Loshavn. Ursprünglich ein Aussenhafen aus der Zeit der Segelschoner. Eine der am besten erhaltenen, eng gebauten Holzhaussiedlungen Südnorwegens. Die geschützte Bucht von Eikvåg hinter Loshavn war in früheren Zeiten ein sicherer Ankerplatz, besonders während der Wintermonate, als das Meer oft mit Eis bedeckt war. Die strategische Lage dieses Ankerhafens war für die Seeleute von grosser Bedeutung, da sie Schutz vor rauen Wetterbedingungen bot.

Die erste Zollstation, die 1770 eingerichtet wurde, zeugt von der wirtschaftlichen Bedeutung des Hafens und der regen Schifffahrt in dieser Zeit. Während der Kriegsjahre des Napoleonischen Kriegs 1807–1814, der sogenannten Kaperzeit, erhielten Einheimische durch die Regierung die Erlaubnis, an der Küste vorbeifahrende englische Schiffe zu kapern.

Loshavn ist ein typisches Beispiel für das Leben in den Aussenhäfen an der Südküste, die im 18. und 19. Jahrhundert eine Blütezeit erlebten und heute zu einem Urlaubsparadies entwickelt haben, in dem kaum noch Einheimische leben.

der STRAND

Sie nennen sich Bausje, Havikstrand, Lomsesanden.

Wir sehen uns nicht irgendwo in der Südsee oder Karibik, sondern im Süden Norwegens.

10 Kilometer Strand – 10 Kilometer für lange Spaziergänge, im leicht temperierten klaren Wasser schwimmen oder tauchen, Vogelbeobachtungen, Angeln oder Wind- und Kitesurfen. Die Strände rund um Farsund zählen international zu den besten für Surfsport.

das SØNDRE KATLAND FYR

zur Halbzeit BILVASK

Die Gedanken an den Nachhauseweg werden mit jedem Tag intensiver. Doch noch sind wir weit davon entfernt – 1’475 km die uns von der heimischen Couch trennen, und das ist eine ganz schön lange Strecke. Wir haben die Halbzeit unserer Reise erreicht, und ich kann nicht anders, als darüber nachzudenken, was uns noch bevorsteht.

Das Taxi, unser treuer Begleiter, hat mittlerweile eine Wäsche mehr als verdient. Der Tachostand hat seit unserem Start stolze 2’500 km zugenommen, und die Tendenz zeigt klar nach oben.

Mit jedem weiteren Kilometer, die wir mit unserem Taxi zurücklegen, sehen wir auch den letzten Kilometer kommen. Die drohenden Worte über Rationierung oder auf Diät setzen, scheinen nicht zu funktionieren. Warum sollte man sich auch einschränken, wenn man die Freiheit hat, die Welt zu erkunden?

Und das Taxi? Das wird nach dieser Reise eine gründliche Pflege erhalten – denn es hat uns bei jedem Wetter treu durch alle Höhen und Tiefen begleitet. So geht es weiter, Kilometer für Kilometer, mit einem Lächeln im Gesicht und dem Herzen voller Vorfreude auf das, was noch kommt. Doch erstmal ist Verwöhnprogramm angesagt! Nächster Halt: Bilvask.

die ARCHITEKTUR

Norwegen verfügt über eine beeindruckende Architekturlandschaft, die auf harmonische Weise Tradition und Innovation miteinander verbindet. Von den charmanten «Schrebergartenhäusern» aus Holz, die mit ihrem rustikalen Flair Gemütlichkeit ausstrahlen, bis hin zu modernen Landhäusern zeigt sich die Vielfalt norwegischer Baukunst. Der Einfluss des Jugendstils ist in vielen Städten weiterhin sichtbar, während zeitgenössische Architekten durch kreative und funktionale Entwürfe neue Impulse setzen. Ob in minimalistischen Designs oder nachhaltigen Baukonzepten – Norwegen beweist, dass Architektur gleichermassen funktional und ästhetisch begeisternd sein kann.

Die Verschmelzung von historischem Erbe mit modernem Denken verleiht der norwegischen Architektur ein unverwechselbares, inspirierendes Erscheinungsbild. Als Land der progressiven Architektur zwischen Fjorden und Nachhaltigkeit nehmen die Norweger eine Vorreiterrolle ein: Während anderswo noch über Nullenergiehäuser diskutiert wird, entstehen hier bereits Holzhochhäuser, innovative Projekte zur Kreislaufwirtschaft und klimafreundliche Städte – zukunftsweisende Beispiele für eine klimasmarte Welt.

weter geht die Reise……

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